Das Kunstprojekt sozialpalast 2010
Bahnsteigkonzerte auf dem Hauptbahnhof in Münster
Gleis 9/12, ein Wartehäuschen, Musik und eine Mission
Auf jedem der vier Bahnsteige des Münsteraner Hauptbahnhofs befindet sich ein Wartehäuschen auf jeweils gleicher Abschnitts-Höhe. Mit Blick quer über die Gleise liegen sie nebeneinander wie in einer Reihe.
In jeweils gleicher Bauart aus der Zeit des Bahnhof-Neuaufbaus in den 1950-60er Jahren wirken die vier Objekte wie Glaspavillions in Kastenform. Bei Dunkelheit wird jeder Warteraum innen von einer Leuchtstoffröhre beleuchtet. Links und rechts befinden sich Sitzbänke aus Holz. Sie fügen sich in das allgemeine Erscheinungsbild der Bahnsteigumgebung ein und sind dort im allgemeinen wenig auffällig.
Im Sommer 2010 werden diese Warteräume von der Künstlergruppe sozialpalast in Szene gesetzt. Wie bei allen sozialpalast-Projekten wird frei zugänglicher Raum in einen Kunstraum verwandelt. Dazu wird das Wartehäuschen auf Gleis 9/12 eine temporäre Kunstbühne für mehrere Bahnsteigkonzerte. Die Musiker kommen von außerhalb mit dem Zug nach Münster, formieren sich im Wartehäuschen und geben für zwei Abendstunden ein Konzert.
Dieses Projekt steht bewusst im Kontrast zu dem Vorgänger-Projekt sozialpalast-mobil. Der Wohnwagen wandte sich als ortsunabhängige Installation an unterschiedlichste Orte und kam als kompakte Einheit zum Publikum. Hier nun ist es der Ort selbst mit seinen unterschiedlichen Räumen, Ebenen, Perspektiven und Störrungen, der die Wahrnehmung der Zuschauer konterkariert und neu erleben lässt. Das alltägliche Bahnhofsgeschehen, schafft aus seiner Eigenartigkeit heraus das, was bei den anderen sozialpalast-Projekten erst die Veränderung eines Raumes schaffte.
Das Publikum kann selbstbestimmt mit der Topografie des Ortes spielen und zwischen vier Bahnsteigen die eigene Sicht verändern. Dennoch kann immer auch unvermittelt ein Zug einfahren und die schönste Ansicht versprerren. Egal, es gibt genug andere Perspektiven auf das eine Geschehen im Wartehäuschen.
Bahn und Bahnhof verbinden Städte, Regionen und die Ferne und sind damit zwangsläufig emotionale Orte. Sie
transportieren Menschen, Ziele, Geschichten, Wünsche und das Leben. Und sie sind immer auch Spielplätze von
Musik: Straßenmusik, Mp3-Musik und Gesänge. Während die Autobahn die Menschen voneinander abgrenzt,
führt der Bahnhof und das Zugabteil die Menschen zusammen.
Der Bahnhofsbetrieb schafft also einen sonderbaren Rahmen: Züge fahren im Rhythmus des Fahrplans rein und raus. Leute kommen an, gehen vorbei und wollen verweilen.
Passenderweise bespielen die Musiker die
Wartehäuschen, denn es ist ja ein Gastspiel mit 2-3 Stunden Aufenthalt. Danach gehts auf gleicher Strecke
wieder zurück nach Hause, oder auf einer anderen Strecke weiter und woanders hin.
Die Bahnhofsmission-Münster ist mit ihrem Gebäude am anderen Bahnsteigende ebenfalls auf dem Gleis 9/12 vertreten. In Zusammenarbeit mit dem sozialpalast ist sie während der Konzerte Versorgungsstation für Musiker und Gäste. Sie leistet Hilfe wo es benötigt wird, gibt kurzzeitig Obdach.
Das Projekt findet sich in Planung!
Termine stehen noch nicht fest.
Teilnehmende Musiker:
Tom Liwa und Gäste, aus Duisburg
Erdmöbel, aus Köln
Gisbert zu Knyphausen, aus Hamburg
Desire Kläukens, aus Duisburg
Roger Trash und Gäste, aus Münster
Weitere MusikerInnen in Planung!
